Kaum ist der Oktober vorbei, wird es in Bodenmais schon wieder laut – im besten Sinn. Am 10. und 11. November treffen sich wieder die Wolfauslasser, um mit schweren Kuhglocken durch unseren Ort zu ziehen. Für unsere Gäste bei Haus Leutner ist dieser Termin oft ein unerwartetes Highlight ihres Novemberurlaubs, weil kaum jemand von außerhalb dieses urige Brauchtum schon kennt. Wir erzählen Ihnen, was es mit dem Wolfauslassen auf sich hat, wie die beiden Tage 2026 ablaufen, und wie Sie das Erlebnis am besten mit einem Aufenthalt bei uns verbinden.
Woher der Brauch stammt
Um die Herkunft des Wolfauslassens zu verstehen, muss man ein paar Jahrhunderte zurückblicken: Früher trieben Hirten im Bayerischen Wald das Vieh auf die Almen und mussten es dort vor Wölfen und anderen Gefahren schützen. Die Kühe bekamen deshalb schwere Glocken umgehängt, deren Lärm Raubtiere abschrecken und gleichzeitig helfen sollte, verirrte Tiere im Wald wiederzufinden. Zusätzlich knallten die Hirten mit der sogenannten Goaßl, einer besonders langen Peitsche, die einen durchdringenden Knall erzeugt, weil ihre Spitze im Schwung nahezu Schallgeschwindigkeit erreicht. Am Ende der Almsaison trieben die Hirten das Vieh zurück ins Tal und kassierten bei den Bauern ihren verdienten Lohn. Aus der Freude über das bevorstehende Ende der Hirtenzeit entstand mit der Zeit der Brauch, dass sich Hirten, Knechte und Mägde selbst die Glocken umschnallten und knallend mit der Goaßl durchs Dorf zogen. Heute zählt dieser Brauch zum immateriellen Kulturerbe des Freistaats Bayern, und kaum ein Ort pflegt ihn so engagiert wie Bodenmais. In vielen Familien wird das nötige Wissen über Sprüche, Melodien und den richtigen Umgang mit den Glocken über Generationen weitergegeben, sodass Kinder, die heute mit kleinen Glocken von Haus zu Haus ziehen, oft schon genau wissen, wie ihre Eltern oder Großeltern den Brauch früher selbst erlebt haben. Dieses lebendige Weitergeben von Generation zu Generation unterscheidet das Wolfauslassen von vielen anderen, eher musealen Bräuchen und macht es gerade für Besucher von außerhalb so authentisch.
- 10. November – erster Tag: einzelne Gruppen ziehen ab dem späten Nachmittag mit schweren Kuhglocken von Haus zu Haus.
- 11. November – Martinstag und zweiter Tag: erneute Hausbesuche, abends das große gemeinsame Zusammenläuten.
- Woifauslasser-Tour – 11.11., 19 bis 22 Uhr, Treffpunkt Rathaus Bodenmais, geführt und kostenlos.
Haus für Haus durch den Ort
Sobald am Nachmittag des 10. November die Dämmerung einsetzt, machen sich die einzelnen Gruppen der Wolfauslasser auf den Weg, überwiegend junge Männer aus Bodenmais, schwer behängt mit den traditionellen Glocken. Vor jedem Wirtshaus, jedem Bauernhof und bei bekannten Bodenmaiser Adressen wird gewartet, bis ein Bewohner an der Tür steht. Erst dann hebt der sogenannte Hirte seinen Stab, lässt für einen Moment Ruhe einkehren und trägt einen überlieferten Spruch vor, bevor die Gruppe wieder zu läuten beginnt, diesmal so lange, bis das sogenannte Hirtengeld überreicht wird. Als kleine Gegenleistung gibt es häufig eine Brotzeit und ein Bier, bevor die nächste Station des Abends ansteht. Bis in die späten Stunden zieht sich dieser erste Tag hin, denn schließlich soll kein Haus im Dorf übersehen werden.
Wenn der Nachwuchs selbst zur Glocke greift
Während die Erwachsenen am Nachmittag und Abend unterwegs sind, haben die Kinder Bodenmais' schon tagsüber ihren eigenen kleinen Auftritt. Mit entsprechend kleineren Glocken ausgestattet, bilden auch sie eigene Gruppen und klopfen von Tür zu Tür, bis jemand öffnet und ihnen ein kleines Taschengeld als Hirtenlohn zusteckt. So wächst praktisch jede Generation in Bodenmais mit diesem Brauch auf, lange bevor die Jugendlichen irgendwann selbst zu den schweren Erwachsenenglocken wechseln. Für Familien, die mit eigenem Nachwuchs bei uns zu Gast sind, ist dieser Vormittag oft eine schöne Gelegenheit, gemeinsam mit den Bodenmaiser Kindern einen kleinen Einblick in das Brauchtum zu bekommen. Wer mag, begleitet eine der Kindergruppen ein kurzes Stück durch die Nachbarschaft und bekommt so aus nächster Nähe mit, wie ernst schon die Jüngsten im Ort ihre kleine Aufgabe nehmen, obwohl ihre Glocken im Vergleich zu denen der Erwachsenen noch deutlich leichter ausfallen.
Wenn an der Kuhbrücke alles zusammenkommt
Der unbestrittene Höhepunkt der beiden Tage ereignet sich am Abend des 11. November, sobald sich alle Gruppen aus dem ganzen Ort an einem einzigen Platz treffen: der Kuhbrücke, von den Bodenmaisern liebevoll "Kejbruck" genannt. Hier versammeln sich schließlich an die 400 Teilnehmer mit Glocken, dazu kommen zahlreiche Goaßlschnalzer und Hirten, und gemeinsam wird über eine volle Stunde geläutet, geknallt und gefeiert. Die Gemeinde spricht von regelmäßig mehr als tausend Besuchern, die sich dieses Spektakel Jahr für Jahr nicht entgehen lassen – ein Lärmpegel, auf den ungeübte Ohren durchaus vorbereitet sein sollten. Genau dieser gewaltige, gemeinsame Klang aus Hunderten Glocken macht für viele unserer Gäste den eigentlichen Zauber dieses Abends aus. Ist das letzte Läuten verklungen, verteilen sich die Gruppen wieder auf ihre jeweiligen Vereinsheime und Treffpunkte, wo bei Musik und geselligem Beisammensein der Abend ausklingt.
Der Knall, der zu den Glocken gehört
Neben dem tiefen Dröhnen der Glocken gibt es an diesem Abend noch ein zweites, ganz eigenes Geräusch: den hellen, scharfen Knall der Goaßl. Diese besonders lange Peitsche wird mit geübtem Schwung durch die Luft gezogen, wodurch ihre Spitze eine derart hohe Geschwindigkeit erreicht, dass ein lauter Knall entsteht, der über den ganzen Platz zu hören ist. Wer dieses Handwerk beherrschen will, übt meist schon als Jugendlicher über Jahre, bis Schwung und Zeitpunkt perfekt sitzen. An der Kuhbrücke mischt sich dieser helle Knall mit dem dumpfen Klang der großen Kuhglocken zu einer Geräuschkulisse, die man an keinem anderen Abend im Jahr in Bodenmais zu hören bekommt, und die bei Erstbesuchern regelmäßig für großes Staunen sorgt.
Mit Begleitung durchs Brauchtum
Wer zum ersten Mal dabei ist und gerne noch etwas mehr über Hintergründe erfahren möchte, kann sich der von der Gemeinde organisierten Woifauslasser-Tour anschließen. Start ist um 19 Uhr am Rathaus Bodenmais, das Ende ist für etwa 22 Uhr vorgesehen. Eine fachkundige Begleitperson führt die Gruppe zu verschiedenen Gehöften, gibt dabei Erklärungen zu Herkunft und Ablauf des Brauchs und bringt die Teilnehmer schließlich pünktlich zum großen Zusammenläuten an die Kuhbrücke. Kosten entstehen dabei keine, allerdings bittet die Gemeinde um eine vorherige Anmeldung bei der Tourist-Information; weil sich der genaue Anmeldeschluss gelegentlich von Jahr zu Jahr verschiebt, fragen Sie am besten kurz vorab noch einmal nach dem aktuellen Stand. Gerade für Erstbesucher ist diese geführte Variante eine gute Möglichkeit, den Abend nicht nur als lautes Spektakel, sondern mit seinem ganzen geschichtlichen Hintergrund zu erleben, bevor man sich bei einem späteren Besuch vielleicht schon selbstständig durch den Ort bewegt.
Was wir unseren Gästen mitgeben
Aus eigener Erfahrung geben wir unseren Gästen gerne ein paar Hinweise mit auf den Weg: Packen Sie unbedingt eine zweite warme Schicht ein, denn sobald die Sonne weg ist, kühlt es im November deutlich ab, und das gemeinsame Läuten zieht sich über eine Stunde im Freien hin. Rutschfestes Schuhwerk zahlt sich aus, weil sich am Treffpunkt an der Brücke viele Menschen auf engem Raum drängen, und ein kleiner Rucksack mit dem Nötigsten ist oft praktischer als eine schwere Tasche, die beim Gedränge nur im Weg steht. Besonders empfindliche Ohren oder kleine Kinder profitieren von einem Gehörschutz, denn direkt am Geschehen ist die Lautstärke wirklich beträchtlich. Gehen Sie zudem rechtzeitig los, denn die besten Plätze mit freiem Blick auf die Brücke sind erfahrungsgemäß schnell vergeben.
Zu Fuß von der Pension zum Geschehen
Ein großer Pluspunkt für unsere Gäste: Die Kuhbrücke liegt mitten in Bodenmais, nur wenige Minuten zu Fuß von unserer Pension entfernt. Eine lange Parkplatzsuche am Abend des Zusammenläutens bleibt Ihnen damit erspart – nach dem Abendessen reicht ein kurzer Spaziergang, und schon sind Sie mitten im Geschehen. Für Ihren Aufenthalt stehen Ihnen außerdem unsere Ferienwohnung Großer Arber und unsere Ferienwohnung Bayern zur Verfügung, beide ebenso bequem nahe am Ortskern gelegen.
Weitere Ideen für diese Novembertage
Das Wolfauslassen lässt sich wunderbar mit weiteren Programmpunkten für Ihren Novemberaufenthalt kombinieren. Solange es am Tag noch hell ist, bietet sich bei klarer Fernsicht eine Tour hinauf zum Großen Arber an, bevor am Abend die Glocken läuten. Über die gesamte Dauer Ihres Aufenthalts bei Haus Leutner schenken wir Ihnen zudem die aktivCARD Bayerischer Wald, mit der sich etliche weitere Freizeitangebote der Region ohne zusätzliche Eintrittskosten nutzen lassen. Weitere saisonale Anregungen für Ihren Aufenthalt finden Sie außerdem auf unserer Seite Aktuelles & Events.
Ein möglicher Ablauf für Ihren Aufenthalt
Für alle, die gezielt wegen des Wolfauslassens anreisen, empfiehlt sich die Anreise schon am oder vor dem 9. November, sodass beide Tage des Brauchs miterlebt werden können: der ruhigere erste Abend mit den einzelnen Hausbesuchen und der große, gemeinsame Höhepunkt am zweiten Abend. Tagsüber bleibt dabei durchaus Zeit für eine kleine Wanderung oder einen gemütlichen Stadtbummel, bevor am Abend das eigentliche Programm beginnt. Wer nur einen der beiden Abende einplanen kann, sollte sich für den 11. November entscheiden, da an diesem Tag das gemeinsame Zusammenläuten stattfindet.
Rechtzeitig planen lohnt sich
Weil das Brauchtum inzwischen auch über die Grenzen des Bayerischen Waldes hinaus bekannt geworden ist, sind Zimmer rund um diesen Termin erfahrungsgemäß früher ausgebucht als an einem gewöhnlichen Novemberwochenende. Wer sich dieses besondere Erlebnis sichern möchte, meldet sich daher am besten einige Wochen im Voraus bei uns, statt erst kurz vorher nach einem freien Zimmer zu fragen.
Häufige Fragen zum Wolfauslassen
An welchen Tagen findet das Wolfauslassen statt?
2026 am 10. und 11. November, mit Schwerpunkt am zweiten Abend.
An welchem Ort versammeln sich alle Gruppen?
An der Kuhbrücke, zwischen etwa 21 und 21:30 Uhr.
Muss man für das Zuschauen etwas zahlen?
Nein, das Zusammenläuten lässt sich ohne Eintritt verfolgen.
Wie läuft die Woifauslasser-Tour genau ab?
Kostenlose Führung ab 19 Uhr vom Rathaus bis zur Kuhbrücke.
Ist für die Tour vorab eine Anmeldung nötig?
Die Gemeinde empfiehlt eine Anmeldung bei der Tourist-Info.
Dürfen Kinder beim Brauch selbst mitmachen?
Ja, tagsüber ziehen Kindergruppen mit eigenen kleinen Glocken los.
Kälte, Lärm und ein warmer Rückweg
Für den Abend an der Brücke lohnt sich neben warmer Kleidung auch eine Thermoskanne mit heißem Tee für den Nachhauseweg, besonders wenn Sie nach dem Zusammenläuten noch etwas länger im Ort verweilen möchten, um die besondere Stimmung nachwirken zu lassen. Mütze und Handschuhe gehören bei winterlichen Temperaturen ebenfalls in die Tasche, genauso wie ein kleiner Gehörschutz für mitreisende Kinder, falls der Lärmpegel direkt an der Brücke doch zu viel werden sollte. Praktisch ist außerdem festes Schuhwerk mit griffiger Sohle, da die Straßen rund um die Kuhbrücke an diesem Abend von vielen Besuchern gleichzeitig genutzt werden und es auf dem Kopfsteinpflaster bei feuchtem Wetter schnell rutschig werden kann.
Ein Kontrast, der seinen Reiz hat
Die meisten Gäste erleben Bodenmais vor allem im Sommer, mit vollen Wanderwegen und langen Tagen. Der November zeigt eine völlig andere Seite: früh einsetzende Dunkelheit, ruhige Straßen – und mittendrin, für eine knappe Stunde am Abend des 11. November, der laute, herzliche Trubel des Zusammenläutens. Gerade dieser Wechsel zwischen Stille und Ausnahmezustand macht den Termin für viele unsere Gäste zu etwas Besonderem, das sich von einem gewöhnlichen Winterbesuch deutlich abhebt.
Ihr Zimmer für diese besonderen Tage
Nach einem bewegten Abend an der Brücke freut man sich über ein ruhiges, gut geheiztes Zimmer in unmittelbarer Nähe. Bei Haus Leutner legen wir Wert auf persönliche Betreuung und ein stärkendes Frühstück, egal ob der Tag noch mit einer Wanderung beginnt oder ganz auf den Abend an der Brücke ausgerichtet ist. Unsere zentrale Lage sorgt für kurze Wege zu allen hier beschriebenen Terminen, was besonders an einem so vollen Novemberabend praktisch ist. Am nächsten Morgen lässt sich beim Frühstück in aller Ruhe nachbesprechen, welche Gruppe besonders beeindruckend geläutet hat oder wie laut der Knall der Goaßlschnalzer tatsächlich war – für viele unserer Gäste gehört dieser gemeinsame Rückblick fast genauso zum Erlebnis wie der Abend an der Brücke selbst.
Fazit: ein lautes Stück Dorfgeschichte
Kaum ein anderer Termin zeigt so deutlich, wie lebendig altes Brauchtum im Bayerischen Wald geblieben ist, wie das Wolfauslassen. Zwischen den einzelnen Hausbesuchen am 10. November und dem großen gemeinsamen Läuten an der Kuhbrücke am Abend darauf steckt ein Stück gelebter Dorfgeschichte, das Sie bei uns kostenlos und nur wenige Schritte von Haus Leutner entfernt miterleben können. Wenn Sie Lust auf dieses besondere Erlebnis haben, freuen wir uns auf Ihren Besuch: Rufen Sie uns an unter +49 9924 269 oder schreiben Sie an

